Direkt zum Inhalt
Ministerium für auswärtige Angelegenheiten

85 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Finnland und Österreich - Botschaft von Finnland, Wien : Botschaft : Geschichte der Botschaft

BOTSCHAFT VON FINNLAND, Wien

Gonzagagasse 16
1010 Wien, Österreich
Tel. +43 1 535 03 65
E-mail: sanomat.wie@formin.fi
Deutsch | Suomi | Svenska |  |  | 
Normale SchriftGrößere Schrift
 

85 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Finnland und Österreich

Als Finnland am 6. Dezember 1917 seine Unabhängigkeit verkündete, brannte in Europa noch der erste Weltkrieg. Da Finnland ein ehemaliger Teil des Russischen Reiches war, herrschte zwischen Finnland und Österreich-Ungarn offiziell Krieg. Trotzdem hat Österreich-Ungarn Finnland schon am 28.1.1918 anerkannt, wobei ein Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern erst vier Monate später - am 29.5.1918 in Berlin - entstand. Von finnischer Seite wurde der Vertrag von Edvard Hjelt, dem Finnischen Gesandten in Deutschland, und Allan Serlachius, dem Finnischen Geschäftsträger in Kristiania (Oslo), unterschrieben. Nachdem das finnische Parlament den Vertrag ratifiziert hatte, wurde er am 19.7.1918 in die Gesetzblätter aufgenommen. Traditionell hat man im finnischen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (MAA)  diesen Tag als Anfang der diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Finnland betrachtet.

Harri HolmaNach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns nach dem ersten Weltkrieg musste man die diplomatischen Beziehungen zwischen Österreich und Finnland erneut aufnehmen. Die Initiative dazu kam Ende 1919 von österreichischer Seite. Im November 1921 wurde beschlossen, Harri Holma, den Finnischen Gesandten in Deutschland, für Österreich nebenzuakkreditieren und im April 1922 erfolgte die feierliche Übergabe des Beglaubigungsschreibens an Präsident Hainisch in der Hofburg. In seiner Rede hob Holma die ähnliche Lage Österreichs und Finnlands als Vermittler zwischen Ost- und West-Europa hervor und betonte vor allem die alten Verbindungen zwischen den Ländern in den Bereichen Kultur und Wissenschaft.

Bis ins Jahr 1933 wurde Finnland in Österreich von Berlin aus vertreten. Danach hat der neue Gesandte, Onni Talas, Finnland von Kopenhagen vertreten. Später vertrat er Finnland von Budapest aus, wo er in der neu eröffneten Gesandtschaft Gesandter von Ungarn geworden war. Nach dem Anschluss von Österreich an das Dritte Reich im März 1938 kam die diplomatische Vertretung Finnlands in Wien vorerst zu einem Ende.

Neuaufnahme der diplomatischen Beziehungen

Nach dem zweiten Weltkrieg vermittelte der Österreichische Gesandte in Schweden, Paul Winterstein, eine inoffizielle Kontaktaufnahme mit der Regierung Finnlands, um die diplomatischen Beziehungen zwischen Finnland und Österreich wieder aufzunehmen. Das finnische MAA war der Angelegenheit gegenüber positiv gestimmt und am 25.3.1948 wurde G.A.Gripenberg, der Finnische Gesandte in Schweden, vom Präsidenten beauftragt, Winterstein zu benachrichtigen, dass Finnland diplomatische Beziehungen mit Österreich aufzunehmen möchte. 

Am 1.7.1948 erteilte der finnische Präsident Paasikivi Winterstein das Agrément. Noch im selben Monat wurde für den Finnischen Gesandten in Prag, Eduard Palin, auch für Österreich ein Agrément erbeten. Die Sache schritt aber nicht voran, da Österreich Ende Oktober 1948 verkündete, dass die Angelegenheit über die diplomatischen Beziehungen erst dem Alliierten Rat, gebildet aus Vertretern Großbritanniens, Frankreichs, der USA und der Sowjetunion, übergeben werden sollte. Die Papiere für den Vertreter der Sowjetunion mussten über Moskau geschickt werden, wo sie wegen eines bürokratischen Versehens ein halbes Jahr verbrachten. Der Alliierte Rat beschloss am 4.3.1949 die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu bewilligen, und Finnland wurde darüber zwei Wochen später informiert. Österreich erteilte am 29.3.1949 Palin ein Agrément und er wurde am 8.4.1949 für Österreich nebenakkreditiert.

Die Erfahrungen Palins bei seinen ersten Besuchen in Wien waren sehr positiv. Der Botschafter schrieb auch, dass er gemerkt habe, dass die Österreicher erkannt hätten, dass es "eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Finnland und Österreich, zumindest in manchen Bereichen bezüglich der außenpolitischen Probleme beider Länder gäbe". Mit diesem vorsichtigen Ausdruck meinte er natürlich die mühsame Beziehung beider Länder zur Sowjetunion. 

Im Jahre 1951 suchte man nach einem Honorarkonsul für Wien. In diesem Zusammenhang zeigte Gesandter Numelin, der Nachfolger Palins, indem er eine Frau für das Amt vorschlug, dass er durchaus seiner Zeit voraus war. Letztendlich willigte er dem männlichen Kandidaten, den das Ministerium verlangte, ein - mit deutlicher Ironie jedoch: "Meinerseits hätte ich sehr gerne die tatkräftige und intelligente Frau Wohleberin als Konsulin gesehen - es wäre wohl an der Zeit, dass wir allmählich von dem Komplex wegkommen, dass eine Frau nicht genauso gut wie ein Mann Konsul oder Diplomat sein könnte - aber ich gebe zu, dass in einer großen Hauptstadt, wo wir sonst keinen Vertreter haben, ein 105 Kilogramm wiegender Mann (dies ist das Gewicht des Konsulkandidaten) in der Lage ist, sehr viel mächtiger aufzutreten als eine Frau, die aber über viel bessere kulturelle Beziehungen verfügt." 

Nach dem Abschluss des Staatsvertrages im Jahre 1955, womit die Alliierte Besatzung endete, veränderte sich die Einstellung der Österreicher der Finnischen Vertretung gegenüber, was damit zusammenhing, dass Finnland in Wien von einem Sozialistischen Staat (Tschechoslowakei) aus vertreten war. Die anderen Länder hingegen waren hauptsächlich in Österreich von Bern aus vertreten. Damals war der 1951 gewählte Honorarkonsul schon aus seinem Amt geschieden und im selben Jahr hatte Österreich eine von einem provisorischen Geschäftsträger geleitete Vertretung in Helsinki eröffnet. So beschloss das finnische MAA im Mai 1956 eine Vertretung in Wien zu eröffnen. Diese Vertretung lag in der Lothringenstrasse 16 und sie wurde von dem Ersten Sekretär Kai Somerto, mit dem Titel eines provisorischen Geschäftsträgers, geleitet - offiziell wurde er aber wohl nie für diesen Auftrag nominiert.

Bezeichnend für die damaligen Verhältnisse und Ressourcen ist, dass es über ein Jahr dauerte, bis die Vertretung eine ordentliche Schreibmaschine bekam. Es wurde keine Genehmigung gegeben eine neue zu kaufen, sondern der Handelsvertretung in Köln wurde befohlen, eine Schreibmaschine nach Wien zu schicken. Entweder Absicht oder Versehen - jedenfalls wurde aus Köln eine Schreibmaschine mit russischem Alphabet geschickt. Letztendlich wurde eine brauchbare Schreibmaschine aus Finnland gesandt. Im Jahre 1959 zog die Vertretung in die Adresse Bayerngasse 1, wo sie die nächsten zehn Jahre blieb.

Atomenergie und Reisende

Otso WartiovaaraIm Jahre 1961 bekamen die Vertretungen beider Länder den Status einer Botschaft. Zum ersten Finnischen Botschafter in Österreich wurde Otso Wartiovaara ernannt. Gleichzeitig wurde er zum Ständigen Vertreter Finnlands bei der Internationalen Atomenergiebehörde (International Atomic Energy Agency - IAEA) ernannt. Besonders das Verfolgen der Aktivitäten der IAEA und die Teilnahme an diesen Aktivitäten verlangte Sachkenntnis und Zeit. Der Botschafter meinte jedoch, dass Österreich "politisch und handelspolitisch in so vieler Weise in einer mit Finnland vergleichbaren Lage sei", dass einem nicht genügend Zeit übrig bliebe, um sich mit allen Angelegenheiten ausreichend beschäftigen zu können, da die gewöhnlichen Aufgaben der Botschaft - konsuläre Angelegenheiten, Handelsangelegenheiten, kulturelle Zusammenarbeit und Benachrichtigung der Regierung - schon die meiste Arbeitszeit in Anspruch nahmen. Wien hatte zu Beginn der 60er Jahre Paris in der Popularität als Urlaubsziel der Finnen überholt, weswegen es besonders während der Sommermonate in Not geratene Touristen gab, denen man helfen musste. Einen Beitrag zum Arbeitsaufwand der Botschaft leisteten auch diejenigen, die in Wien auf Dienstreise waren, denn Wien war zu dem Zeitpunkt zu einer der beliebtesten Kongressstädte Europas geworden. Nach den Vorschlägen Wartiovaaras wurde das Botschaftspersonal mit einem Zweiten Sekretär aufgestockt.

Die Vertiefung der Beziehungen zwischen Finnland und Österreich zu Beginn der 60er Jahre zeichnete sich auch in den gegenseitigen Staatsbesuchen aus. Bundespräsident Adolf Schärf besuchte Finnland im Jahre 1960 und der finnische Präsident Kekkonen absolvierte schon im nächsten Jahr einen gut gelungenen Gegenbesuch.

Am Ende des Jahres 1961 besuchte noch Außenminister Bruno Kreisky als Gastvorleser für die finnische Zentralhandelskammer Helsinki. "Kreisky benutzte bewusst Helsinki als ein solches Forum, wo gesagte Wörter auch im Osten gelesen und untersucht werden...", meinte Botschafter Wartiovaara zu der Reise Kreiskys. Die Neutralität wurde damals als gemeinsamer Nenner der Außenpolitik beider Länder betrachtet. Dafür gab es auf hoher Ebene auch ein gutes Einverständnis. Das finnische MAA pflegte aber während der 60er und 70er Jahre sehr empfindlich zu reagieren, wenn in der öffentlichen Diskussion oder in den Medien die Neutralität Finnlands vergessen wurde oder sie in irgendeiner anderen Weise betrachtet wurde, als die Neutralität Schwedens, Österreichs oder der Schweiz.

Die wachsende Bedeutung der Botschaft in Wien zeigte sich Ende der 60er Jahre dadurch, dass das Botschaftspersonal um einen Presseberater und einen Handelssekretär erweitert wurde. Der Finnische Botschafter - damals Jussi Mäkinen - war nämlich auch zum Ständigen Vertreter beim Heiligen Stuhl und bei der Organisation der Vereinten Nationen zur industriellen Entwicklung (United Nations Industrial Development Organization, UNIDO) ernannt worden. Aufgrund dieser Veränderungen musste die Botschaft in größere Räume an die Adresse Untere Donaustrasse 15-17 ziehen. Zur selben Zeit gab es auch eine wachsende Annäherung der finnisch-österreichischen Beziehungen. Ende der 60er Jahre und in den 70er Jahren vermehrten sich die gegenseitigen Besuche von Spitzenpolitikern beider Seiten.

Eröffnung der Ständigen Vertretung Finnlands bei der OSZE

Neben der Botschaft wurde im Jahre 1986 noch eine Ständige Vertretung Finnlands bei der OSZE (Organisation für die Sicherheit und Zusammenarbeit Europas) in Wien eröffnet. Zum ersten Botschafter wurde Markku Reimaa ernannt.

Die internationale Politik veränderte sich während der 90er Jahre schnell und so wurden auch die Aufgaben der Botschaft auf allen möglichen Ebenen vielfältiger. Die Anzahl der Internationalen Organisationen in Wien vermehrte sich, aber auch die finnische Kolonie in Österreich verdreifachte sich während des Jahrzehnts; also wuchs gleichzeitig die Nachfrage nach konsulären Angelegenheiten.

Die damalige Botschafterin, Eva-Christina Mäkeläinen, bemerkte auch in ihren Jahresberichten, dass sich das Finnland-Bild in Österreich rapide verändert hätte, was hauptsächlich darauf zurückzuführen war, dass viele finnische Technologieunternehmen - unter anderem Nokia - in Österreich Fuß gefasst hatten.

Die europäische Integration in den 90er Jahren zeigte sich in den finnisch-österreichischen Beziehungen besonders deutlich. Beide Länder betrieben gleichzeitig EU-Beitrittsverhandlungen und auch nach dem Beitritt zur EU hat es zwischen Finnland und Österreich eine enge Zusammenarbeit auf Minister- und Beamtenebene gegeben. Vor der letzten Erweiterung wurde das Zusammengehörigkeitsgefühl wurde noch weiter gestärkt aufgrund einer ähnlichen Lage an der Ostgrenze der EU sowie durch die Konsultationen zwischen den beiden Ländern wegen der nacheinander folgenden Übernahme des EU-Vorsitzes. Die Zusammenarbeit in EU-Angelegenheiten hat sich auch während des neuen Jahrtausends fortgesetzt. Österreich ist ein guter Verbündeter für Finnland in der EU, mit welchem wir in vielen Fragen auf einer gleichen Linie sind.

pdfBotschafter und Botschafterinnen Finnlands in Wien

Seite drucken

Dieses Dokument

Aktualisiert 08.06.2015


© Botschaft von Finnland, Wien | Kontakt